Gut für Mensch und Umwelt: Grüne
Oase auf dem (Firmen-)Dach

Gut für Mensch und Umwelt: Grüne
Oase auf dem (Firmen-)Dach

Dachgärten machen sichtbar, dass Unternehmen Verantwortung für die Umwelt und ihre Mitarbeitenden übernehmen: Sie verbinden Nachhaltigkeit mit Aufenthaltsqualität. In nur acht Wochen Bauzeit entstanden so in zwei Innenhöfen eines neu errichteten Bürogebäudes am Firmensitz von ABUS Kransysteme in Gummersbach moderne Dachgärten: mit intensiv begrünten Bereichen – und viel Raum für Begegnung. Realisiert wurde das Projekt vom Fachbetrieb Terwiege Garten- und Landschaftsbau aus Essen in enger Zusammenarbeit mit dem Systempartner Optigrün.

Das Projekt im Bergischen Land verdeutlicht den hohen Anspruch, den Unternehmen heute an die Planung und Realisierung begrünter Aufenthaltsflächen stellen. Die Begrünung der Innenhöfe, die der Erweiterungsbau am Firmensitz an jeweils drei Seiten umschließt, war von Beginn an ein integraler Bestandteil des architektonischen Gesamtkonzepts. Beide Höfe mit einer Gesamtfläche von rund 6.400 Quadratmetern befinden sich auf der Tiefgarage des Gebäudes und sind damit konstruktiv als Dachgärten ausgeführt. Zwei unterschiedliche Konzepte wurden umgesetzt: Ein Dachgarten – in direkter Anbindung an die Kantine – bietet eine hochwertige Aufenthaltsfläche für Mitarbeitende und Besucher. Hier steht das Erlebnis im Vordergrund: begehbare Grünflächen, repräsentative Terrassenbereiche mit Sitzmöglichkeiten und ein großzügiges Wasserbecken als zentrales Gestaltungselement. Der Blick ins umliegende Grün erweitert den Raum optisch und schafft eine Atmosphäre, die eher an einen Park als an eine Dachfläche erinnert. Der zweite Hof wurde eher zweckmäßig geplant, dabei aber dennoch großer Wert auf eine qualitativ hochwertige Gestaltung mit Begrünung gelegt.


Eine der größten Herausforderungen bei der Realisierung des Projekts lag in seiner Dynamik: Während der Bauphase entwickelten sich Anforderungen beständig weiter, neue Elemente – wie das Spiegelbecken – kamen hinzu. Gleichzeitig blieb der enge Zeitrahmen bestehen. „Solche Prozesse machen deutlich, dass Dachgärten dieser Größenordnung nicht in klassischen Gewerkegrenzen gedacht werden können“, sagt Dipl.-Ing. (FH) Leif Harzer, Geschäftsführer bei Terwiege. „Die Verzahnung von technischen, gestalterischen und baulichen Aspekten ist hier eine Notwendigkeit und wird durch eine Umsetzung aus einer Hand auch ermöglicht.“ Der Garten- und Landschaftsbau steht dabei für das Ineinandergreifen von Entwässerung, Abdichtung, Substrataufbau und Bepflanzung: „Die frühzeitige Einbindung der Experten in Grün schafft für den Auftraggeber Planungssicherheit – sowohl hinsichtlich technischer Machbarkeit als auch in Bezug auf Budget- und Terminziele.“ Denn: Dachgärten sind niemals Produkte „von der Stange“.

Logistik ist das A&O

Beim Bau von Dachgärten ist die Logistik ein zentrales Thema für den Garten- und Landschaftsbau. Ein Dach ist kein Materiallager – die Statik setzt hier klare Grenzen. Vielmehr müssen großzügig bemessene Lagerplätze am Gebäude ausgewiesen bzw. eingerichtet werden. Bei ABUS Kransysteme beispielsweise konnte ein Silo mit dem Dachsubstrat direkt unterhalb des Dachgartens an der Tiefgarage platziert werden. Das Substrat wurde dann gezielt und abschnittsweise auf die Fläche ein Stockwerk höher eingebracht. Auch der Maschineneinsatz ist bei der Umsetzung von Dachgärten limitiert. Jede zusätzliche Last muss im Vorfeld exakt berechnet werden. Auf der Dachfläche in Gummersbach konnten lediglich ein 2,5-Tonnen-Radlader und ein 1,5-Tonnen-Bagger eingesetzt werden.

So wird das Dach zum Garten

Maßgeblich für den Charakter und die Wirkung eines Dachgartens ist die Bepflanzung – die Kernkompetenz des GaLaBaus. Ziel ist es, ganzjährig Struktur und Atmosphäre zu schaffen und gleichzeitig robuste, standortgerechte Lösungen umzusetzen. Immergrüne Gehölze wie der Portugiesische Kirschlorbeer, der auch auf dem Dachgarten in Gummersbach gepflanzt wurde, sorgen das ganze Jahr über für ruhige, klare Raumkanten. Kleinere Ziergehölze wie Felsenbirnen setzen mit ihrer Blüte im Frühjahr und der intensiven Färbung im Herbst saisonale Akzente. Gräser bringen Leichtigkeit und Bewegung in die Fläche. Staudenpflanzungen unterstützen die Biodiversität und reduzieren gleichzeitig den Pflegeaufwand.

Hochbeete aus Aluminium oder Cortenstahl schaffen zusätzliche Höhenstaffelungen. Sie ermöglichen tiefere Substrataufbauten und damit auch die Pflanzung größerer Gehölze. Gleichzeitig strukturieren sie den Raum und fördern eine klare Zonierung zwischen Aufenthalts-, Wege- und Grünbereichen.
Entscheidend ist die standortgerechte Auswahl der Pflanzen: „Dachflächen sind durch Wind, erhöhte Sonneneinstrahlung und begrenztes Substratvolumen besonderen Belastungen ausgesetzt“, weiß Leif Harzer. „Robustheit, Trockenheitsverträglichkeit und ein funktionierendes Wassermanagement sind daher zentrale Kriterien.“

Mehrwerte für Unternehmen

Moderne Arbeitswelten stellen zunehmend die Lebensqualität in den Mittelpunkt. Gut gestaltete Außenräume fördern Identifikation und Motivation, schaffen Orte für informellen Austausch und bieten Rückzugsräume im Arbeitsalltag. Studien zur Arbeitsumgebung belegen, dass begrünte Aufenthaltsflächen Stress reduzieren und das Wohlbefinden steigern können. Eine grüne Dachterrasse bietet den Mitarbeitenden, aber auch Besucherinnen und Besuchern die Möglichkeit, in der Sonne oder im Schatten in ruhiger Atmosphäre zu essen oder kurze Pausen im Grünen zu verbringen.
Darüber hinaus erfüllen Dachbegrünungen wichtige ökologische Funktionen: Sie verbessern die Regenwasserretention, entlasten die Kanalisation bei Starkregen, binden Feinstaub und sorgen für Verdunstungskühlung zur Minderung urbaner Hitzeinseln. Gerade auf stark versiegelten Gewerbeflächen eröffnen Dachgärten zusätzliche ökologische Potenziale.

Das Projekt von ABUS Kransysteme in Gummersbach zeigt einmal mehr, dass Dachgärten kein architektonisches Extra sind, meint Leif Harzer: „Im Idealfall entsteht in der dritten Dimension ein Ort, der sich nicht wie eine Dachfläche anfühlt, sondern wie ein echter Garten: ein Raum, durch den man spazieren kann, der Perspektiven eröffnet und Aufenthaltsqualität nachhaltig definiert.“


Fotos: © Terwiege Garten- und Landschaftsbau