Bedarf an Sportfreianlagen steigt
Dortmund (pcw). Ein gepflegter Naturrasensportplatz ist für viele Sportler erste Wahl. Aber es gibt Umstände, in denen ein Belag aus Kunststoffrasen zweckmäßiger sein kann. Kriterien dafür gab die Fachtagung "Sportfreianlagen" im Stadion des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund an die Hand. Mehr als 120 Vertreter aus Städten und Gemeinden Nordrhein-Westfalens ließen sich über die Tendenzen im Sportplatzbau informieren und stellten fest: Welcher "Belag" der bessere ist, entscheidet die Situation vor Ort.
Wie Reinhard Rasch, Sportamtsleiter der Stadt Paderborn und Vertreter des Städte- und Gemeindebundes NRW in einem Referat betonte, gibt es einen verstärkten Bedarf für Angebote zur "psychomotorischen Förderung der Jugend". Aber nicht normierte Wettkampfanlagen sind dafür erforderlich, sondern ganzjährig nutzbare Sportflächen im Freien - für Ballspiele wie auch für Jogging oder Walking. In Paderborn führte dies bereits dazu, das einige ältere Leichtathletik-Anlagen aufgegeben worden sind, an zentral gelegenen Stellen dafür neue Kunststoff-Laufbahnen - aber weniger - gebaut wurden.
Wie Rasch bei der Fachtagung - die der Verband Garten- Landschafts- und Sportplatzbau NRW erstmals zu diesem Thema durchführte - betonte, wurde auch bei den Fußballplätzen derart vorgegangen, in bestimmten Bereichen Anlagen zu modernisieren. Einige Spielflächen wurden mit Kunststoffrasen ausgestattet. Als Vorteile nannte Rasch eine höhere Belastbarkeit und Verfügbarkeit, die einfache Möglichkeit zur Markierung zusätzlicher Spielfeldgrößen, witterungsunabhängige Pflege sowie weniger Verschmutzung in Umkleide- und Sanitärräumen. "Auf Kunststoffrasen haben mehr Frauen und Jugendliche Spaß am Fußballspielen", nannte er eine weitere Beobachtung. Dies führte er auf eine für die Sportler ebenfalls geringere Verschmutzung zurück.
Für Professor (FH) Martin Thieme-Hack von der Fachhochschule Osnabrück machen Kunststoffrasenflächen dennoch nicht überall Sinn: "Es muss jeder Platz individuell gesehen werden." So macht es für ihn einen großen Unterschied, ob ein Sportplatz in einer kleinen Gemeinde oder in einer Großstadt angelegt wird. Denn sowohl die Nutzungsintensität wie auch die Fläche, die für einen Sportplatz zur Verfügung gestellt werden kann, sollten in die Planung einfließen. So rechnet sich die Erstellung eines Kunststoffrasen-Platzes nur, wenn die erhöhten Investitionskosten durch eine Verdopplung bei der Nutzungdauer kompensiert werden können.
Dabei warnte Prof. Thieme-Hack vor beschönigenden Zahlenspielen hinsichtlich der Benutzungszeiten und -stunden. Denn nachts wird kaum jemand regelmäßig Fußball spielen wollen. Er befürchtet, dass sich viele Kommunen Kunststoffrasen-Sportplätze zulegen, obwohl sie diese nicht benötigen. Er hält es für besser - sofern es räumlich möglich ist - statt eines Kunststoffrasen-Platzes lieber zwei Naturrasen-Spielfelder anzulegen, um die Belastung durch Spielbetrieb zu reduzieren.
"Alle Profispieler lehnen Kunststoffrasen ab", betonte Professor Dr. med. Heinz Liesen vom Sportmedizinischen Institut der Universität Paderborn. Aber nicht, weil die Spieler mehr Verletzungen fürchten. Denn zwischen Naturrasen und Kunststoffrasen gibt es in dieser Hinsicht "keine signifikanten Unterschiede". Doch Kunststoffrasen ist "tot" und "Fußball ein Spiel der Sinne", gab der Sportmediziner, der unter anderem Nationalmannschaften betreut hat, zu bedenken. Natürlichen Materialien kommt seinen Worten zufolge auch im Sport eine zentrale Bedeutung zu. Denn auf Naturrasen zu spielen, fördert seiner Ansicht nach die Entwicklung der verschiedensten Sinne des Menschen mehr als das Laufen auf Kunststoff-Fasern. Nicht zuletzt auch emotional, was laut neuesten wissenschaftlichen Forschungen für das Erreichen von sportlichen Zielen wichtiger ist als der forcierte Aufbau von Ausdauer und Muskelkraft.
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