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Im "war of talents" Herz und Kopf der Mitarbeiter erreichen

Im "war of talents" Herz und Kopf der Mitarbeiter erreichen

"Wir befinden uns mitten im "war of talents". Während die Umsätze der Branche steigen, stagnieren die Ausbildungszahlen, der Fachkräftemangel wird immer deutlicher. Und das nicht nur in unserer Branche, weshalb wir auch um die Gewinnung junger Menschen in immer schärferem Wettbewerb stehen. Ideen und konkrete Aktivitäten zur Gewinnung von Mitarbeitern sind deshalb mehr denn je gefragt!" so H. Christian Leonhards, Präsident des Verbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau NRW e.V. zur Begrüßung im vollbesetzten Saal des Mövenpick-Hotels in Münster.

Hierhin hatten die beiden Galabau-Verbände Niedersachsen-Bremen und Nordrhein-Westfalen jetzt zum Top-Seminar "Brennpunkt Ausbildung" mit hochkarätigen Referenten und dem Erfolgstrainer Jörg Löhr geladen, die den Nerv der engagierten Unternehmer und Ausbilder trafen.

"Der Wunsch nach Spaß an der Arbeit steht für die jungen Menschen im Vordergrund. Geld und Sicherheit rangieren erst nachrangig", schickte Leonhards das Ergebnis verschiedener Studien den nachfolgenden Vorträgen voraus. "Leben wir dem Nachwuchs die Freude an unserem Beruf vor!"

Dr. Christoph Schleer von der SINUS-Akademie für Weiterbildung untermauerte die einleitenden Worte des Präsidenten mit den Ergebnissen einer Befragung, bei der 1.000 Jugendliche die für sie wichtigsten Berufswahlkriterien nennen sollten. Danach sind die TOP 5 der Wünsche: Spaß an der Arbeit, die passende Eignung und Fähigkeit, die Vereinbarkeit mit dem Privatleben, ein hohes Einkommen und die Möglichkeit zur Selbstverwirklichung. An die Unternehmen geht demnach der Wunsch nach einem guten Verhältnis zwischen Mitarbeitern und Vorgesetzten sowie unter den Kollegen. Wichtig auch, dass der Betrieb gute Karrieremöglichkeiten bietet. Für 69 % der Befragten war entscheidend, ob sich ein Unternehmen freiwillig sozial, ökologisch und ethisch engagiert.

Die "Generation Vielfalt"

Doch diese Rahmendaten reichen nach Dr. Schleer längst nicht aus, um alle wichtigen Rückschlüsse zu ziehen. "Wir haben es bei den jungen Menschen mit der "Generation Vielfalt" zu tun. Junge Menschen, die in ganz verschiedenen Lebenswelten zu Hause sind. Nur, wer gezielt Jugendliche und junge Erwachsene für sein Unternehmen akquiriert, hat deshalb auf Dauer Erfolg", betonte er. Was diese Lebenswelten ausmacht, stellte er anhand einer Studie detailliert vor. Danach lassen sich die Jugendlichen in sieben verschiedene Milieus einteilen, die in Lebensstil und Grundeinstellungen ganz unterschiedlich sind und damit ganz spezifische Anforderungen an ihren zukünftigen Beruf haben.

So seien z.B. die "Konservativ-Bürgerlichen" anders anzusprechen als die "Materialistischen Hedonisten", für die Freizeitvergnügen und Markenkonsum im Vordergrund stünden. Die "Sozialökolisch-Orientierten", die für Nachhaltigkeit, Gemeinwohl, Natur und Umwelt stehen, anders zu bewerben als die Adaptiv-Pragmatischen, die in erste Linie ziel- und leistungsorientiert den Platz in der Mitte der Gesellschaft suchen. "Welche Lebenswelt passt zum Betrieb, zum Team, zur Unternehmensphilosophie? Mit welchen Werbemaßnahmen fühlen sich die Vertreter der verschiedenen Lebenswelten angesprochen und mit welchen nicht? Wie muss ich meine Strategie in der Teambildung meiner Mitarbeiter mit diesen Erkenntnissen anpassen, denn gleichklingende Grundeinstellungen eines Menschen sorgten für Harmonie", stellte Schleer die Studienergebnisse in den Raum und sorgte damit für eingehende und anregende Diskussionen.

Best Practice - kreative Ausbildungskonzepte

Kreative Konzepte für eine moderne Ausbildung und Nachwuchswerbung in der Praxis war das nächste Thema des Tages. Hier stellten unter dem Titel "Best Practice" Landschaftsgärtner Frank Esser aus Eschweiler (6 Mitarbeiter), Ausbilderin Jutta Huck aus Jever (15 Mitarbeiter) und Unternehmer Peter Knappmann aus Essen (85 Mitarbeiter) ihre Ausbildungskonzepte vor: Drei Betriebe in unterschiedlichen Größen und alle mit immensem persönlichen Einsatz für den Nachwuchs.

Frank Esser vertrat dabei die These: "Es lohnt sich, schwache und schwierige Auszubildende einzustellen. Daraus werden fast immer motivierte und loyale Mitarbeiter." Es gebe aber kein Rezept im Umgang mit den Jugendlichen, außer sich persönlich für jeden Einzelnen zu engagieren und die eigene Liebe zum Beruf weiterzugeben. Jutta Huck vom Betrieb Gerdes sieht den Ausbildungserfolg darin, dass alle im Betrieb an einem Strang ziehen und jeder weiß, wie wichtig Ausbildung und der Respekt vor der Leistung der jungen Menschen ist.

Peter Knappmann hat einen Galabau-Meister eigens für die Betreuung der Auszubildenden eingestellt. Damit sei sichergestellt, dass die jungen Menschen richtig und umfassend betreut werden. Ein Erfolg sei, dass die Durchfallquote viel geringer und die Chance, die jungen Menschen als Fachkräfte im Betrieb zu behalten, umso größer sei.

Zukunfts-Cafe mit Ideenreigen

An 16 Tischen mit vier unterschiedlichen Fragen ausgestattet, hatten im zweiten Teil des Seminar-Tages alle Teilnehmer Zeit, ihre Vorstellungen zusammenzutragen und Ideen auszutauschen.

Zu der Frage, welche (neuen) Möglichkeiten es zur Gewinnung von guten Auszubildenden gibt, wurden zunächst die klassischen Wege wie Messebeteiligungen und Schulbesuche aufgezählt. Eine positive Darstellung des Berufsbildes durch Imagewerbung, eine Verankerung des eigenen Betriebes als Arbeitgeber in der Region und die Beteiligung in den sozialen Medien sei ebenfalls wichtig. Kreativer Ansatz war auch, eine Praktikumschallenge zu veranstalten, wobei dem Sieger des Wettbewerbs ein Ausbildungsplatz angeboten wird.

Wie sich die Ausbildung trotz stressigem Alltag integrieren lässt, beschäftigte die Gruppen der nächsten Tische. Hier sei die Kommunikation im Unternehmen von besonderer Bedeutung. Nur bei entsprechender Rückkoppelung unter allen Mitarbeitern könne Ausbildung richtig funktionieren. Ein Azubi-Baustellenleiter und Azubi-Teams seien ein Weg, sich auf den Nachwuchs zu konzentrieren. Entscheidend sei auch, die sozialen Kontakte untereinander zu stärken. Als Idee wurde das unterstützende Lernen mit Hilfe von Whats-App vorgeschlagen: Warum nicht eine Gruppe bilden, die regelmäßig kleine Aufgaben erhält, diese dann untereinander diskutiert und gemeinsam löst?

Welche Methoden sich bewährt haben, Jugendliche dauerhaft für den Betrieb zu begeistern, beschäftigte die dritte Gruppe. Eine positive Grundstimmung und eine gelebte Gemeinschaft im Betrieb als Grundlage für alles Weitere sahen alle als Voraussetzung. Darüber hinaus sei ein Internet-Forum, in dem Kunden Lob und Kritik beschreiben könnten, eine gute Rückmeldung für alle Mitarbeiter. Lob und Motivation als Wertschätzung der Person und der Leistung seien natürlich unerlässlich.

Die vierte Frage "Welche Ideen zur Fachkräftesicherung aus anderen Branchen kennen Sie?" sollte den Blick über den Tellerrand schärfen. Hier waren es vor allem Ansätze, den Betrieb wie eine große Familie zu führen und mit gemeinsamen Freizeitaktivitäten Sicherheit, Vertrauen und auch Flexibilität zu bieten.

Wege zur Höchstleistung: Ausbildung-Motivation-Erfolg

"Als Führungspersönlichkeit sollten Sie versuchen, jede Arbeit zu einem "Wow-Projekt" werden zu lassen und die Herzen und Köpfe der Mitarbeiter zu erreichen." Wie ein Unternehmer das erreichen und damit Mitarbeiter und Auszubildende an ihre Arbeit und das Unternehmen emotional fesseln kann? Der bundesweit bekannte und etablierte Erfolgstrainer Jörg Löhr bot in einem mitreißenden, spannenden Vortrag Zahlen, Fakten und vor allem Motivation zu neuen unternehmerischen Denkweisen.

Herausfordernde Märkte - geringe Mitarbeitermotivation

Sind die Mitarbeiter Mitreißer, Mitmacher, Zaungäste oder innerlich schon weg? Knapp 50 Prozent der deutschen Arbeitnehmer seien Mitmacher, die sich entweder von den 24 % der motivierten Mitreißer weiter aktivieren lassen oder sich leicht zu den 27% der gering engagierten Zaungäste gesellen.

Was tun, wenn Handlungsbedarf besteht? Das Zauberwort sei Veränderung, denn dies sei die Keimzelle des Erfolges, denn Veränderungen lösen fast immer weitere Veränderungen aus. So könnten aus kleinen Anfängen große Erfolge entstehen. Das Grundprinzip für solche Veränderungen sei: Erhöhung der eigenen Ansprüche, wechseln von limitierten Überzeugungen und Anpassung der Strategie.

"Talente sind zwar noch keine Siegesgarantie, aber ohne Talente gibt es keine Siegeschance!", so Jörg Löhr. Für ihn besteht die Aufgabe einer Führungspersönlichkeit nicht nur darin, seine Mitarbeiter davon zu überzeugen, dass sie sich eigenverantwortlich für eine bessere Zukunft des Unternehmens und damit für ihre eigene Zukunft einsetzen. Für Löhr besteht eine der Hauptaufgaben der Führungskraft darin, Talente zu finden, die das Unternehmen in die Zukunft führen: "Werden Sie Talentfanatiker und geben Sie der Suche nach außergewöhnlichen Talenten höchste Priorität."

Die Spielregeln für den Chef

"Spielregeln bedeutet, dass man mit Regeln spielt". Eine Führungspersönlichkeit müsse sein Unternehmen in einen Erlebnisort verwandeln. Die Botschaft dabei: "Denken Sie Erlebnis, sprechen Sie Erlebnis". Wichtig für alle Führungspersönlichkeiten sei, dass sie gerne und leidenschaftlich führen. "Es ist nicht jedermanns Sache. Wenn Ihnen das Führen keinen Spaß macht, dann nichts wie weg. So tun als ob hilft niemandem", mahnte Jörg Löhr. Nur, wenn der Chef ein leidenschaftlicher Chef ist, kann er das Potential des Teams ständig steigern und ihm Ziele und Visionen vorgeben. Führung sei in erster Linie eine Sache der Leidenschaft, der Begeisterung, der Hingabe. Und nur leidenschaftliche Führungskräfte können Mitarbeiter begeistern und den Nachwuchs an sich binden.

Mit dem Schlusswort von Rolf Meyer zu Hörste, Vizepräsident des VGL NB e.V., endete ein Seminar, das zum Nachdenken und Nachmachen animierte und sicher im ein oder anderen Betrieb zu positiven Veränderungen oder Intensivierung der Aktivitäten in Sachen Ausbildung führte.

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