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Digitale Baustelle – die Zukunft im Garten- und Landschaftsbau?

Um die Frage direkt vorab zu beantworten: Nein, Landschaftsgärtner werden in Zukunft nicht durch Roboter ersetzt. Beim Thema Digitalisierung im Garten- und Landschaftsbau geht es um moderne Maschinen und um die Digitalisierung von Betriebsabläufen der GaLaBau-Unternehmen. Die DEULA Westfalen-Lippe macht die Landschaftsgärtner jetzt fit für die Vernetzung zwischen Planern, Landschaftsgärtnern und modernsten Arbeitsmaschinen im GaLaBau.

Orientieren sich an digitalen Geländemodellen: GPS-gestützte Arbeitsmaschinen im GaLaBau.


Digitalisierung kann helfen, Baustellen bis ins Detail zu planen. Die präzise Ermittlung der Basisdaten z. B. durch eine Drohnenbefliegung mit Vermessungstechnik, die genaue Planung der Baustelle am PC und die weitere Nutzung dieser Daten spielen präzise zusammen. Über Virtual Reality wird der neue Garten sogar dreidimensional erfahrbar. Die Geländetopografie kann virtuell genau abgebildet werden, die Planung der benötigten Materialien und Werkzeuge, aber auch die benötigte Arbeitszeit und Anzahl der Mitarbeiter kann vom verantwortlichen Projektleiter eines GaLaBau-Betriebes vor Baubeginn wiederum mit digitaler Unterstützung einfach und damit exakter kalkuliert werden. 

Das 3D-Modell dient aber nicht nur der Planung, sondern es ist für die Landschaftsgärtner auch die Grundlage für die Umsetzung der Baustelle. Ob mit dem Roverstab, auf der Raupe oder dem Radlader – das digitale Modell des Landschaftsarchitekten hat der Landschaftsgärtner in der Steuerelektronik seiner Geräte, die die Feinsteuerung damit vornehmen. „Diese Technik ist in den Betrieben schon angekommen. Die Mitarbeiter müssen gut und sicher Maschinen bedienen können, aber eben auch Software, Daten und zusätzliche elektronische Komponenten der Baumaschine verstehen und mit Ihnen umgehen.“ H. Christian Leonhards, Präsident des VGL NRW, hat das Pilotprojekt an der DEULA mit vorangetrieben: „Es wird Zeit, dass wir die Ausbildungsinhalte an die technischen Möglichkeiten anpassen. Auf diese Weise können wir auch junge Menschen für den GaLaBau begeistern, die nicht nur naturbegeistert, sondern auch technikaffin sind.“

Auch die Arbeitsabläufe werden neu definiert: Die Unternehmen haben eine begrenzte Anzahl von Mitarbeitern, von Spezialmaschinen und in der Regel nur begrenzte Zeit, um die Baustellen für ihre Auftraggeber abzuarbeiten. Da ist es z. B. wenig hilfreich, wenn man dringend benötigtes Werkzeug auf verschiedenen Baustellen sucht, weil niemand mehr genau weiß, wer zuletzt wo die Rüttelplatte oder den Minibagger benutzt hat. Durch aktuelle Software und Ortungstechnik sind Werkzeuge und Maschinen jederzeit lokalisierbar. Während der Arbeit an der Baustelle kann simultan benötigtes Material nachgeordert werden und die dafür entstehenden Kosten werden sofort kalkuliert. Der Bauleiter weiß immer, welche Baustelle nicht mehr im grünen Bereich ist.

Für Markus Schwarz vom Ausbildungsförderwerk AuGaLa gehören die Inhalte des Pilotprojekts in die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung: „Wir müssen in diesem Jahr Erfahrungen gewinnen und prüfen, ob und wie wir demnächst diese Inhalte fest in die Ausbildung der Landschaftsgärtner integrieren können. Das ist notwendig. Denn so wird in Zukunft die Arbeitswirklichkeit aussehen, und die bildet die DEULA mit diesem Seminar ab.“

Darüber hinaus fragen die Kunden den Landschaftsgärtner, ob sich denn nicht auch das Hoftor automatisch öffnen ließe, die Teichpumpe per Smartphone regelbar wäre und auch der „Smart Garden“ online angesteuert in farbigem Licht erstrahlen könne. Die Technik ist schon heute verfügbar. Immer mehr Kunden wünschen sich derlei Hightech im Garten und geben bei dessen Planung schon digitale Geländemodelle vor. Will ein GaLaBau-Betrieb wettbewerbsfähig bleiben, muss er diese Nachfrage bedienen können.

Warum Digitalisierung in der DEULA?

Die DEULA Westfalen-Lippe ist traditionell die didaktische Instanz für die grüne Branche. Seit nahezu 70 Jahren bis heute unterrichtet sie den Umgang mit der jeweils neuesten Technik im Agrarsektor, aber auch im Gartenbau und im Garten- und Landschaftsbau. Von der Heckenschere bis zum Raupenbagger wird nicht nur die Befähigung zum Umgang mit der Technik vermittelt, sondern es werden auch auch jene Mechatroniker unterrichtet, die diese Technik bis ins Detail kennen, die sie reparieren und warten sollen.

In der Land- und Baumaschinentechnik ist die DEULA der technologischen Entwicklung auf dem Markt dank der guten Kontakte zu den Herstellern immer eine Nasenlänge voraus und kann die Anwender in ihrem Bildungszentrum immer mit der neuesten Technologie konfrontieren. Die Digitalisierung im Agrarbereich (Precision Farming, Teilbreitensteuerung, teilflächenspezifische Ackerbearbeitung, Lenksysteme etc.) haben die Fachbereiche schon unterrichtet, bevor diese Technik überhaupt in der Breite in der Landwirtschaft angekommen ist.

Im Garten- und Landschaftsbau ist die DEULA mit ihrem Partner, dem Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau NRW übereingekommen, dass es jetzt an der Zeit ist, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in GaLaBau-Betrieben mitzunehmen bei der Entwicklung digitaler Prozesse in ihren Betrieben. Gemeinsam wurde ein didaktisches Konzept erarbeitet, das sich am DEULA-Motto „Lernen und Erleben“ orientiert, das also so realitäts- und praxisnah wie möglich sein soll. Die DEULA-Philosophie, nicht einzelne Lösungen zu schulen, sondern auch anhand unterschiedlicher Marken und Hersteller das wirkliche Verständnis für die Technologien zu erarbeiten, ist im Zuge digitaler Technik aktueller denn je. Denn die Handlungskompetenz des Mitarbeiters ist vielleicht nach dem nächsten Software- Update schon wieder gefragt. Er soll also nicht nur vorhandene Technik anwenden können, sondern sich selbstständig Lösungswege erarbeiten können.

Die Branche boomt, und mit ihr die technologische Entwicklung. Die Partner DATAflor, AP-Deutschland, DOOSAN über KRAEMER Baumaschinen und MOBA, BOBCAT, SITECH (TRIMBLE) und WANSOR unterstützen mit ihrer Technik, um Landschaftsgärtnern die nötige Kompetenz zu vermitteln und diese für ihre Betriebe zu nutzen. Die digitale Technik wird weiter auf der Baustelle einziehen. Sie wird und kann den Landschaftsgärtner aber nicht ersetzen. Sie hilft indes, die Abläufe auf einer Baustelle effizienter und transparenter zu gestalten, Fehler zu minimieren und die Ergebnisse zu optimieren.

Quelle: DEULA Westfalen-Lippe