Direkt zum Inhalt Direkt zur Hauptnavigation

Ein „Park für alle“

Freizeitanlage Westerholt in Herten: Von der klassischen Vereinssportstätte zum multifunktionalen Sport- und Freizeitpark.

Die Kombination einer Sport- und Freizeitanlage mit einer Parkanlage war auch für die erfahrenen Landschaftsgärtner des Gelsenkirchener Landschaftsbauunternehmens Otten ein Novum – zumal in dieser Größenordnung: Auf mehr als 45.000 Hektar Fläche und in mehr als 1,5 Jahren Bauzeit konnte der Betrieb in einem nicht alltäglichen Projekt sein komplettes Leistungsspektrum zum Einsatz bringen. Das Konzept des multifunktionalen Sport- und Freizeitparks Westerholt in Herten, am Rande des Ruhrgebiets, überzeugte auch die Jury des nrw.landschaftsarchitektur.preis 2020, ausgelobt vom Bund Deutscher Landschaftsarchitekten NRW. Sie würdigte das „gestalterisch hochwertige und ansprechende Konzept mit unkonventionellen Details“, das „Barrieren eingerissen“ und eine „neue soziale Qualität“ hergestellt hat. Der neue „Park für alle“ – ein Entwurf des Essener Planungsbüros DTP Landschaftsarchitekten – gehört neben einer Platzgestaltung in Iserlohn und einem Ruinengarten in Düsseldorf zu den insgesamt drei ausgezeichneten Projekten.

Die Stadt Herten verband mit der Umgestaltung die Idee einer auch außerhalb des Vereinssports generationsübergreifend nutzbaren Freizeitanlage. Eröffnet wurde die Freizeitanlage Westerholt bereits vor rund einem Jahr – nach einer vierjährigen Planungs- und Bauzeit, ausgehend von einem Beteiligungsprozess mit Vereinen, Anwohnern und Politik. „Die vorhandene Sportanlage wurde zuvor überwiegend für Wettkämpfe genutzt“, weiß Agrarbetriebswirt Matthias Gschmack, Prokurist bei Otten, auch aus eigener Anschauung: Das Gelände liegt nur unweit seines Zuhauses, die regionale Verbundenheit ist groß.

Viele Arbeiten in einem Projekt

Wie bei einem Projekt dieser Größenordnung üblich, fanden auf der Baustelle wöchentliche Jour Fixes mit dem Bauherrn, der Stadt Herten und dem Büro des Landschaftsarchitekten statt. Der Landschaftsarchitekt übernahm die tägliche Baubegleitung. Otten selbst installierte einen festen Bauleiter, gut zwei Drittel der Mannschaft des Betriebs war fast die gesamte Zeit vor Ort. „Jede Arbeit für sich ist unser täglich´ Brot“, so Matthias Gschmack. „Der hohe Anspruch resultierte daher letztlich aus der Konzentration dieser Arbeiten auf einem einzigen Gelände.“ Bei den Wegearbeiten stellte indes der Ausgleich der verschiedenen Höhen zwischen den Bestandsgebäuden und dem vorhandenen Gelände durchaus eine Herausforderung dar. Auch beim Anlegen des Kunstrasenplateaus für den Fußballplatz der Freizeitanlage war entsprechend der DIN-Normen für den Sportplatzbau besonders exaktes Arbeiten gefragt. Ohne Frage gehörte die Positionierung eines rund 10 Tonnen schweren Kletterfelsens, der mit einem Schwerlastkran angeliefert wurde, zu den Höhepunkten des Projekts.

„Die Zusammenarbeit auf einer Baustelle macht immer dann besonders Spaß, wenn man merkt, dass sich alle Parteien in besonderem Maß mit dem Projekt identifizieren. Das war hier eindeutig der Fall.“
Klaus Tenhofen, Dipl.-Ing. (FH) Landschaftsarchitekt, DTP Landschaftsarchitekten

Wiederverwendung des Aushubs auf der Fläche

Eine wichtige Leitidee der Bauarbeiten war die Wiederverwertung des anfallenden Bodenaushubs in Form von sanften Anhebungen direkt auf dem Gelände. Diese kleinen Hügel gliedern und beleben die Freiflächen. „Als mehr Aushub anfiel als geplant, haben wir die Anzahl und Größe der vorgesehenen Anhebungen vor Ort in Absprache mit dem Landschaftsarchitekten entsprechend angepasst. Das ist ökonomisch und ökologisch sinnvoll“, erinnert sich Matthias Gschmack. Kreativ wurde das Team zudem bei der Umsetzung spielerischer Wegelinien im Asphalt, die im Plan – anders als die begleitenden Schriftzüge – lediglich intentionell vorgegeben waren.

Rückgrat der Parkgestaltung ist der ganzjährig benutzbare beleuchtete Rundweg, der sich auf 700 Metern als breites asphaltiertes Band durch den gesamten Park schlängelt. Ergänzt wird der durch Wege und Plätze. Zwei Großspielfelder mit unterschiedlichen Bodenbelägen, ein Spielplatz, der Kletterfelsen und eine Liegewiese bieten diverse Freizeiträume. Durch lockere Baumgruppen entsteht eine Waldkulisse, Hecken- und Staudenpflanzungen unterstreichen den parkähnlichen Charakter. Matthias Gschmack: „Was mir persönlich an dem Projekt besonders gut gefällt, ist, dass hier wirklich an alle Altersgruppen gedacht wurde: Es gibt Spielgeräte für kleine und größere Kinder sowie Fitnessgeräte für Körperbewusste, aber auch für ältere Menschen. Und wer nicht selbst Sport treibt, kann andere beim Fußball anfeuern.“

Fotos: Nikolai Benner