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Im Erfahrungsgarten lernen Kinder denken

Ein neues pädagogisches Konzept mit jeder Menge Grün – und ohne klassische Spielgeräte

Wer die Fotogalerie zur Gestaltung des Außengeländes der Kita Westhäkchen in Ratingen durchklickt (s. ganz unten), fragt sich sicher zunächst ein wenig irritiert, wo denn eigentlich die Spielgeräte versteckt sind? Tatsächlich gibt es sie nicht. Denn der verantwortliche Architekt Stephan Heine aus Bergisch Gladbach versteht den Außenbereich von Kindergärten nicht als Spielplatz, sondern als pädagogischen Raum, der Erzieherinnen und Erziehern auch eine neue Qualität der Arbeit bietet. Grüne und wilde Erfahrungsfelder sollen den Kindern dabei vielschichtiges Lernen ermöglichen. Umgesetzt hat Heines Konzept des „Erfahrungsgartens“ in Ratingen der Betrieb Gärten von Eckhardt mit Sitz in Wuppertal. Für Geschäftsführer Jan Phillip Eckhardt war es das erste Kita-Außengelände dieser Prägung: „Mit seinen innovativen Ideen hat der Architekt bei uns aber gleich offene Türen eingerannt!“

„Die Basis für den Erfahrungsgarten ist ein naturnaher Garten voller Vielfalt und Mehrdeutigkeit. Hier wird ein Findling heute zum Käfer und morgen zum Schiff.“
Stephan Heine

Der Außenbereich für die rund 120 Kinder der Kita gliedert sich in verschiedene Bereiche, die die Kleinen nicht festlegen. Wilde und unspezialisierte Flächen – sogenannte Brachen – bilden vielmehr ein „Reich der Möglichkeiten”, in dem sie ungestört ihre Fantasiewelten entfalten können und die ihnen viel Raum für die sogenannte Alltagsbewegung (Springen, Hüpfen etc.) bieten. 

Das sind die vier Bereiche der Kita Westhäkchen: 

  • Der „Wildbach“ mit einer Kaskade von Steinen und Sandseen unter einem Kirschbaum soll den Kindern als Werkstatt für Plastisches Gestalten dienen. 
  • Die dicht mit Büschen bepflanzte „Savanne“ lädt zu Streifzügen ein. Hier können Kinder auch Ameisen, Käfer und Spinnen beobachten und über ihre Hände krabbeln lassen. Auf diese Weise werden innere Bilder erzeugt, die die Grundlage ihres Denkens bilden und mit denen sie sich Schritt für Schritt die Welt erschließen. Gleichzeitig regt das Dickicht zu Rollenspielen an. 
  • Der „Dschungel“ soll die Motorik der Kinder schulen. Der große Hügel wird hier unter Einsatz des ganzen Körpers erobert. 
  • Im „Camp der Über-Fünfjährigen“ finden die größeren Kinder altersgerechte Fantasiespielbereiche und Rückzugsräume, in denen sie unbeobachtet sind.

„Der Erfahrungsgarten stärkt auch kognitive Fähigkeiten: Hier bauen Kinder einen Erfahrungsschatz auf, auf den sie ihr gesamtes Leben lang zurückgreifen können.“
Stephan Heine

Was die Landschaftsgärtner zunächst vorfanden, war jedoch eine komplett plane Fläche: Die gesamte Topographie musste künstlich durch Aufschüttungen und Abgrabungen neu geschaffen werden. „Das ist durchaus eine bautechnische Herausforderung“, so Eckhardt. „Denn Hügel und Senken müssen fachgerecht so befestigt werden, dass Pflanzen dort trotzdem noch Halt finden und wurzeln können.“

Von Weiden bis Walderdbeeren: Umfassende Pflanzliste
Bei Kita-Projekten ist die Bepflanzung sonst oft Nebensache. Nicht zuletzt aus Budgetgründen muss den Pflanzen viel Raum für das Wachstum gegeben werden. „Für den Erfahrungsgarten müssen die Flächen allerdings möglichst schnell dicht werden. Wir haben daher mehr als üblich gepflanzt – vor allem Gehölze, die sich schnell entwickeln", sagt Jan Phillip Eckhardt. Dazu gehörten beispielsweise wüchsige Weiden, heimischer Feldahorn und Hartriegel, der mit seinem roten Holz auch im Winter ein Hingucker ist. Auf den Hangflächen wurden Teppichverbene oder Walderdbeeren gepflanzt. Jan Phillip Eckhardt: „Das ist aber nur ein kleiner Auszug aus einer sehr umfangreichen, für Projekte dieser Art tatsächlich unüblich langen Pflanzliste.“ Für die Pflanzplanung zeichnete im Übrigen Birgitta Höller von "Kreative Konzepte für lebendige Gärten" verantwortlich.

„Der Erfahrungsgarten hat uns einen neuen Blick auf unsere Arbeit gegeben: So sehen Gärten für Kinder aus!"
Jan Phillip Eckhardt

Ein solches Projekt kann nur funktionieren, wenn der Architekt und der Landschaftsgärtner intensiv zusammenarbeiten und sich absprechen. Gerade auch die kurze Bauzeit von drei bis vier Monaten erforderte eine enge Abstimmung bei beiden Parteien. „Was uns beide gleich verbunden hat, war die Liebe zum Detail“, so Jan Phillip Eckhardt. „Nur dann lässt sich solch ein herausfordendes Projekt auch erfolgreich umsetzen.“