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„Klare Kante“ und „Gute Stube“

Mit Wasser und viel Grün: Neu gestaltete Marktplätze bringen die Menschen in die Städte.

Der Marktplatz ist die „gute Stube“ jeder Stadt oder Gemeinde. Viele dieser geschichtsträchtigen und identitätsstiftenden Mittelpunkte führen allerdings noch immer ein Schattendasein und bedürfen einer Erneuerung. Beim landschaftsarchitektur.preis.nrw 2020 wurden in diesem Jahr gleich zwei gelungene Umbauprojekte berücksichtigt – die Marktplätze im ostwestfälischen Bünde und in Ahlen im Münsterland. An der Ausführung beider Entwürfe waren die Experten von Boymann Garten- und Landschaftsbau beteiligt: „Bei der Sanierung innerstädtischer Räume liegt die Messlatte immer sehr hoch: In der Regel gehen der Umgestaltung umfangreiche Bürgerbeteiligungsverfahren voraus. Tatsächlich geht die Bevölkerung bei solchen Projekten auch in besonderer Weise mit – und da erreichen sogar uns als Landschaftsgärtner hinterher Mails von Menschen, die sich dafür bedanken, dass sie in ihrer Stadt wieder gerne einkaufen oder gastronomische Angebote nutzen“, so Norbert Thiemann, Geschäftsführer der Dortmunder Niederlassung des Unternehmens.

Die neue „Gute Stube“ in Ahlen. Foto: Claudia Dreyße

Die Eckpunkte der Umgestaltung in Bünde

Die Jury des landschaftsarchitektur.preis.nrw 2020 hat dem Marktplatz in Bünde im Rahmen des Wettbewerbs eine Anerkennung ausgesprochen und würdigte damit den „Minimalismus mit klarer Kante“ des Hamburger Planungsbüros Landschaftsarchitektur+: „Der Entwurf besticht durch eine hohe (stadt-)räumliche Qualität, mit den sorgfältig platzierten Baumreihen und Alleen fügt sich ein offener, multifunktionaler Platzraum in den Stadtgrundriss, Proportionen und Dimensionen sind aus der Historie des Ortes entwickelt.“

Auch das Grün ist hier ein bestimmendes Element: Bäume rahmen den Platz und bilden eine klare Kante zum Straßenraum. Anstelle der einreihigen Baumeinfassung des alten Marktplatzes führt nun eine doppelreihige Baumarkade aus Kolchischem Blutahorn entlang der Marktstraße. Kolchischer Blutahorn entfaltet sehr viel Potenzial durch sein Farbspiel mit rotem Austrieb sowie grünem Blattwerk im Sommer und spektakulärer Herbstfärbung. Landschaftsgärtner Norbert Thiemann legt besonderen Wert auf den „grünen Daumen“: „Die Städte müssen heute bei der Auswahl von Grün darauf achten, dass die Baumarten den klimatischen Anforderungen der Zukunft gewachsen sind. Das ist hier passiert!“

Minimalismus mit klarer Kante in Bünde. Foto: Christoph Janiesch

Die Eckpunkte der Umgestaltung in Ahlen

Der Marktplatz der Stadt Ahlen – Planung bis Bauleitung wbp Landschaftsarchitekten GmbH – bedurfte nicht zuletzt einer Erneuerung, weil er nicht für ältere Menschen und Menschen mit Behinderung gestaltet war. „Die Barrierefreiheit ist heute eine der wesentlichen Anforderungen bei der Umgestaltung von Markt- oder anderen urbanen Plätzen in den Städten“, so Norbert Thiemann, Geschäftsführer der Dortmunder Niederlassung von Boymann Garten- und Landschaftsbau. Vor der Neugestaltung trennte eine mit hohen Bordsteinen abgesetzte und grob gepflasterte Fahrbahn die Außenflächen der Gastronomiebetriebe von der markanten Mittelinsel des Platzes. Nun spannt sich der Platz spannt von Fassade zu Fassade. Die Abgrenzungen zwischen Fahrbahn und Gehwegen sind entfallen. „Gerade bei der Sanierung insbesondere historischer Plätze können wir als Landschaftsgärtner in der Regel auf sehr hochwertige Materialien zurückgreifen, deren Einsatz natürlich auch ein hohes handwerkliches Geschick erfordert“, sagt Norbert Thiemann. So besteht der neue Bodenbelag in Ahlen aus einem Plattenpflaster aus allseits gesägtem Granit. Flache Rinnen aus dunklem Naturstein übernehmen eine Leitfunktion. Ein parallel verlaufendes taktiles Leitband wurde nachträglich in den Belag gefräst. Gefundene Reste des historischen Rathauses wurden mittels Intarsien in den Belag integriert.

Kirchplatz mit Wasserspiel und Bänken in Ahlen. Foto: Claudia Dreyße

Wasser ist oft ein zentrales Gestaltungselement bei der Sanierung von Innenstadträumen – so auch in Bünde und Ahlen. In Bünde bilden Wasserbecken mit Bäumen, Bänken und Fahrradständern und Wasserbecken ein abwechslungsreiches Muster; in Ahlen fand ein Wasserspiel am Übergang zum „Grünen Kirchplatz“ seinen Platz.

Menschen nehmen neue Plätze an

Inzwischen sind die Plätze fest in der Hand der Bevölkerung vor Ort: Nach der mehr als zweijährigen Umbauphase kehrten in Ahlen die Einrichtungen, die zwischenzeitlich Ausweichquartiere bezogen hatten, schnell wieder an den Markt zurück. Schon lange vor der offiziellen Übergabe des Platzes wurden dort bereits Advent und Karneval gefeiert. Und auch in Bühne wird der Marktplatz in seiner eigentlichen Funktion, als Stadtplatz, als Veranstaltungsort, als Schulvorplatz und als Transitraum genutzt.