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Kosten und Nutzen eines Auszubildenden

Um mit dem Mythos aufzuräumen, Auszubildende kosten den Betrieb nur Geld, soll eine Kosten- und Nutzenbetrachtung durchgeführt werden.

Bei der Nutzen- bzw. der Leistungserfassung eines Azubis wurde dem Gedankengang gefolgt, dass ein Azubi die Leistungen eines Hilfsarbeiters und mit der Ausbildung fortschreitend auch die eines Facharbeiters anteilig erbringt. Eine weitere Einflussgröße ist die Schulbildung. Es wird unterstellt, dass Hauptschüler langsamer lernen als beispielsweise Personen mit mittlerer Reife.

vgl. Beer 2014, S. 27f.


Im Ergebnis ist festzustellen, dass je dichter der Azubi vor der Prüfung steht und je höher die Schulbildung ist, desto höher ist seine Leistung. Sicherlich mag es Azubis geben, bei denen die Leistung von vorne herein höher ist als dargestellt und andere, die vor der Prüfung immer noch einen geringen Teil der Leistung eines Facharbeiters erbringen. Deshalb sind die Werte in der Tabelle als qualifizierte Durchschnitts-Schätzungen zu verstehen.
Es ergaben sich keine Unterschiede bezüglich der weiblichen und männlichen Azubis. Junge Frauen bringen also nicht weniger Leistung als die jungen Männer. Was die weiblichen Azubis nicht an körperlichen Kräften aufbieten können, gleichen sie auf andere Weise aus.

Im nächsten Schritt muss ermittelt werden, wie viele produktive Tage ein Azubi dem Betrieb wirklich zur Verfügung steht. Von den theoretisch möglichen Arbeitstagen müssen die Berufsschule und die überbetriebliche Ausbildung abgezogen werden. Damit ergeben sich 120 bis 135 Arbeitstage mit ca. 1.000 Arbeitsstunden.

Unter Zugrundelegung dieser Daten, der tariflichen Vergütung, den Sozialversicherungsbeiträgen sowie Annahmen für die Kosten von Arbeitskleidung, persönlicher Schutzausrüstung und innerbetrieblicher Schulung kann man für die unterschiedlichen Typen der Azubis je Ausbildungsjahr nach dem Denkschema einer Gewinn- und Verlustrechnung den Aufwand und die Erträge/Leistungen gegenüberstellen.

Hauptschüler - Lehre 3 Jahre
Überschuss 1. Lehrjahr:  - 4.826 €
Überschuss 2 Lehrjahr:  + 3.838 €
Überschuss 3. Lehrjahr: + 19.840 €
Gesamtergebnis:             + 18.852 €

Die Rechnung zeigt, dass bei einem Hauptschüler im ersten Lehrjahr noch „Geld draufgelegt wird“ und ab dem zweiten Lehrjahr mit echten Rückflüssen zu rechnen ist. Zu Beginn des dritten Lehrjahres wird die Gewinnschwelle bezogen auf die Einzelkosten erreicht.

Realschüler - Lehre 3 Jahre
Überschuss 1. Lehrjahr:  + 746 €
Überschuss 2. Lehrjahr: + 7.918 €
Überschuss 3. Lehrjahr: + 22.135 €
Gesamtergebnis:             + 30.799 €

Abitur - Lehre 2 Jahre
Überschuss 1. Lehrjahr:  + 1.697 €
Überschuss 2. Lehrjahr: + 14.885 €
Gesamtergebnis:             + 16.582 €

Dieser Text bezieht sich auf Ausarbeitungen von:
Prof. Dr. Holger Beiersdorf, Hochschule Weihenstephan-Triesdorf