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Natürlich schön

Vom Zaun aus Kastanienknüppeln bis zum Trockenbeet: Vielfalt ist das große Thema im Naturgarten.

Immer mehr Menschen wollen auch mit ihrem Garten einen Beitrag zu einer intakten und lebenswerten Umwelt leisten. Das Schöne dabei: Jeder Garten lässt sich in einen Naturgarten verwandeln – Schritt für Schritt. Für Peter Albrecht, Inhaber von Naturnaher Gartenbau Hagen, ist das wesentliche Kennzeichen eines Naturgartens die Vielfalt: „Es gilt ein dynamisches und lebendiges Gartenbild zu entwickeln, das nachhaltig ist: Ein Ort des Genießens, des Rückzugs für Mensch und Natur und der Erholung in unserer hektischen Zeit. Die Natur schließen wir dabei nicht aus, sondern fördern, schützen und respektieren sie.“

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Dieses verwunschene Plätzchen mit Holzzaun, Holunder und Fingerhut ist tatsächlich von Menschenhand geplant und gemacht. Der Zaun besteht aus rohen Kastanienknüppeln. Die Kastanie ist ein überaus wertvolles Holz und besitzt eine hohe natürliche Dauerhaftigkeit. „Das zeigt: Wir brauchen kein exotisches Holz im Garten“, so Peter Albrecht. „Einheimisches Holz eignet sich ebenso gut.“ Die Trittsteine für den Weg kommen aus der Region: Hier wurde Ruhrsandstein verwendet. Die Bepflanzung ist an den Standort angepasst – ein wichtiges Merkmal naturnaher Gärten. Übrigens: Die umgedrehten Tontöpfe auf den Zaunspitzen sind nicht nur eine Zierde, sondern erfüllen auch einen Zweck. Sie bieten nützlichen Hausschnecken Unterschlupfmöglichkeiten oder locken Ohrenkneifer an, die wiederum Blattläusen zu Leibe rücken.

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Trockenmauern erfreuen sich in unseren Gärten seit einiger Zeit immer größerer Beliebtheit. Die Mauersteine werden komplett ohne Mörtel gesetzt bzw. geschichtet. Hier besteht die Trockenmauer aus mehr als 40 Jahre alten Dachpfannen, die Gartenexperte Peter Albrecht aus einem Abbruchhaus gerettet und mit dem Bau der Mauer recycelt hat. Das Material: gebrannter Ton, eines der Lieblingsmaterialien des Naturgärtners. Unter den Dachpfannen befindet sich ein Trockenfundament mit einer 10 Zentimeter starken Schotterschicht. Die Mauer fängt in diesem Fall einen Hang ab und wurde daher ebenfalls mit Schotter hinterfüllt. Ein Vlies verhindert, dass Erde eindringt. Wer Eidechsen & Co. einen Lebensraum bieten will, kann hinter Platten oder Steinen zusätzlich Hohlräume anlegen lassen. In die Fugen einer Trockenmauer können überdies auch Pflanzen eingesetzt werden.

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Auf befestigte Terrassen und Wege muss man natürlich auch im Naturgarten nicht verzichten. Ein Element der Gestaltung sind unregelmäßige Formen: „Hier wird nichts mit dem Lineal gezogen, aber auch nichts dem Zufall überlassen“, so Peter Albrecht. Pflasterklinker aus gebranntem Ton überzeugt in der Kombination mit quadratischen Betonplatten, alles gehalten in natürlichen Braun-, Beige- und Rottönen. Die in klassischen Gärten oft durch Kantensteine markierte Grenze zur Bepflanzung ist aufgehoben bzw. verwischt. Darüber hinaus wurde auch hier auf standortgerechte Pflanzen geachtet. Bei der weiß blühenden Malve handelt es sich um eine Wildform der beliebten Heilpflanze. Grundsätzlich gilt: Damit ein Garten als Naturgarten gilt, sollten zu 70 Prozent heimische Pflanzen ausgewählt werden. Es bleibt aber auch noch genügend Platz für die ein oder andere exotische Pflanze, wie hier das Chinaschilf. Die Holzstämme sind im Übrigen nicht von ungefähr neben dem Weg platziert: Totholz wird von vielen Insekten als Nahrung oder Versteck genutzt und ist in unseren aufgeräumten Gärten selten geworden.

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Durch die Anlage von Trockenbeeten und eine standortgerechte Bepflanzung mit Wildpflanzen – wie hier die Heidenelke – werden Naturgärten zu pflegeleichten Gärten, in denen man weniger Unkraut jäten und seltener gießen muss. Für ein Trockenbeet wird der Erdboden 20 bis 40 Zentimeter tief abgetragen und durch Schotter bzw. Kies ersetzt. Der wertvolle Boden kann dann an anderer Stelle verwendet werden. Sinn macht dies vor allem bei der Gartengestaltung rund um Neubauten, wo (teurer) Mutterboden in der Regel fehlt. In das Beet werden heimische Wildpflanzen eingesetzt. Peter Albrecht ist ein Fan der stark duftenden Nelke: Neben der Heidenelke gehören Prachtnelke, Polsterpfingstnelke, Federnelke und Felsnelke zu seinen Favoriten. „Unsere heimischen Pflanzen kommen mit Trockenheit grundsätzlich gut zurecht“, weiß der erfahrene Landschaftsgärtner. „Sie sind also ideal für eine Zeit, in der die Klimaveränderungen nicht mehr zu übersehen sind.“ Inzwischen gibt es auch zahlreiche Gärtnereien, die Wildpflanzen kultivieren und verkaufen, sowie Betriebe , die Saatgut für Wildpflanzen produzieren, darunter auch in Bio-Qualität.
Üppig bepflanzte Trockenbeete haben übrigens nichts gemein mit den versteinerten Schotter-Vorgärten, die heute immer öfter zu sehen sind und in der Kritik stehen. Im Gegenteil: Trockenbeete sind ökologisch wertvolle Biotope.

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Margerite, Akelei & Co. zieren eigentlich den liebevoll angelegten, von einem Staketenzaun aus Kastanie locker begrenzten Naturgarten einer Pflanzenliebhaberin. Von der dortigen Blumenwiese haben sich die Pflanzen nun jedoch auf den Bürgersteig ausgesät und erfreuen dort die Passanten. Fast könnte man meinen, hier handele es sich um „Guerilla Gardening“ – jenem Trend, bei dem Menschen heimlich Pflanzen im öffentlichen Raum aussäen, um für mehr Grün zu sorgen. Tatsächlich haben die Blumen hier aber selbst die Regie übernommen: Der Naturgarten erobert sich neues Terrain!

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Fotos: Peter Albrecht