GaLaBau Ausblicke 2026

Cybersicherheit als Führungsaufgabe – Digitale Resilienz für die grüne Branche stärken

Die zunehmende Digitalisierung im Garten- und Landschaftsbau eröffnet große Chancen, bringt jedoch auch neue Risiken mit sich. Unter dem Titel „Cybersicherheit im GaLaBau – digitale Resilienz für Unternehmen stärken“ widmete sich die Jahresauftaktveranstaltung GaLaBau Ausblicke 2026 des Verbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Nordrhein-Westfalen e. V. (VGL NRW) einem Thema, das längst zur unternehmerischen Kernaufgabe geworden ist. Die Veranstaltung, die traditionell im Rahmen der Internationalen Pflanzenmesse IPM auf dem Messegelände in Essen stattfand, brachte Fachleute, Unternehmerinnen und Unternehmer aus der Branche sowie Expertinnen und Experten aus den Bereichen Recht, IT-Sicherheit, Strafverfolgung und Gesellschaft zusammen.

VGL NRW-Präsident Josef Mennigmann betonte in seiner Eröffnungsrede die Cybersicherheit als strategische Führungsaufgabe./©Jacqueline Wardeski

Cybersicherheit ist strategische Verantwortung der Unternehmensleitung

In seiner Begrüßung machte Josef Mennigmann, Präsident des VGL NRW, deutlich, dass Cybersicherheit heute weit über eine technische Fragestellung hinausgeht: „Digitale Prozesse, vernetzte Systeme und cloudbasierte Anwendungen sind fester Bestandteil unseres Arbeitsalltags. Damit wächst jedoch auch unsere Abhängigkeit von funktionierender IT. Cybersicherheit ist deshalb keine Kür mehr, sondern eine strategische Führungsaufgabe – mit wirtschaftlichen, rechtlichen und persönlichen Konsequenzen für die Unternehmensleitung.“ Gerade im Garten- und Landschaftsbau mit mobilen Arbeitsplätzen, Baustellenbetrieb und einer hohen Vernetzung seien passgenaue, praxisnahe Lösungen gefragt, um die digitale Widerstandsfähigkeit der Betriebe nachhaltig zu stärken.

Haftungsrisiken und Handlungspflichten klar benannt

Den rechtlichen Rahmen beleuchtete Mirjam Hannah Steinfeld, Rechtsanwältin und Partnerin bei Rosinus | Partner. Sie machte eindringlich deutlich, dass die Verantwortung für Cybersicherheit unmittelbar bei der Geschäftsführung liege. Nahezu alle betrieblichen Abläufe seien heute an digitale Strukturen gebunden, entsprechend hoch seien die Anforderungen an Organisation und Kontrolle. Steinfeld führte aus, dass die Unternehmensleitung verpflichtet sei, angemessene Sicherheitsstandards zu etablieren, um Risiken frühzeitig zu minimieren und im Ernstfall handlungsfähig zu bleiben. Ziel müsse es sein, Sicherheitsvorfälle möglichst klein zu halten und Kettenreaktionen zu verhindern. „Wer Cybersicherheit als reine Technikfrage behandelt, verkennt ihre Tragweite – sie ist integraler Bestandteil ordnungsgemäßer Unternehmensführung“, so Steinfeld.

Mirjam Hannah Steinfeld, Rechtsanwältin und Partnerin bei Rosinus | Partner, beleuchtete in ihrem Vortrag die rechtlichen Rahmenbedingungen der Cybersicherheit. Sie zeigte auf, welche Haftungsrisiken für Geschäftsführungen bestehen und warum die Einhaltung verbindlicher Sicherheitsstandards entscheidend ist, um im Ernstfall handlungsfähig zu bleiben./©Jacqueline Wardeski
Inna Claus, Präventionsexpertin im Cybercrime-Kompetenzzentrum des Landeskriminalamts NRW, gab praxisnahe Einblicke in die Organisation und Vorgehensweise von Cyberangriffen. Sie erläuterte, wie Künstliche Intelligenz die Qualität und Komplexität der Angriffe erhöht und betonte die Notwendigkeit von Notfallplänen und präventiven Maßnahmen in Unternehmen./©Jacqueline Wardeski

Cybercrime wird professioneller – Prävention gewinnt an Bedeutung

Einen Einblick in die Praxis der Strafverfolgung gab Inna Claus vom Landeskriminalamt NRW. Sie schilderte, dass Cyberangriffe nicht nur häufiger, sondern auch deutlich realistischer und professioneller würden – zunehmend unterstützt durch Künstliche Intelligenz. Dadurch nehme sowohl das Ausmaß als auch die Qualität der Angriffe zu, was die kriminaltechnische Analyse erheblich erschwere. Claus appellierte an die Unternehmen, sich frühzeitig vorzubereiten und klare Notfallpläne für Cybervorfälle zu entwickeln. Ein geschärftes Gefahrenbewusstsein und festgelegte Abläufe im Ernstfall seien entscheidend, um Schäden zu begrenzen.

Früherkennung und Prävention als Schlüssel zur IT-Sicherheit

Aus technischer Sicht ergänzte Tim Berghoff von der G DATA CyberDefense AG, dass viele Angriffe erst erkannt würden, wenn der Schaden bereits eingetreten sei – häufig erst in der Phase, in der sich ein Angriff im gesamten System ausbreitet. Umso wichtiger sei eine kontinuierliche, engmaschige Überwachung der IT-Strukturen. Berghoff riet Betrieben, sich frühzeitig kompetente Unterstützung an Bord zu holen und präventive Schutzmaßnahmen zu ergreifen. IT-Sicherheit sei komplex, müsse aber nicht abschrecken: „Mit den richtigen Partnern und einer klaren Strategie lassen sich Risiken deutlich reduzieren und Schäden vermeiden.“

Tim Berghoff von der G DATA CyberDefense AG zeigte, warum eine engmaschige Überwachung von IT-Systemen und die frühzeitige Einbindung kompetenter Berater entscheidend sind, um Schäden zu verhindern. Er machte deutlich, dass IT-Sicherheit zwar komplex ist, aber mit den richtigen Partnern und Strategien beherrschbar bleibt./©Jacqueline Wardeski
Marc Elsberg, Bestsellerautor und Experte für digitale Infrastrukturen, spannte in seinem Vortrag den Bogen von unternehmerischer Cybersicherheit zu global vernetzten Systemen und Lieferketten. Er verdeutlichte, welche weitreichenden Folgen der Ausfall einzelner digitaler Knotenpunkte für Wirtschaft und Gesellschaft haben kann./©Jacqueline Wardeski

Vernetzte Systeme als gesellschaftliche Herausforderung

Den abschließenden Impuls setzte Marc Elsberg, Bestsellerautor und Experte für digitale Infrastrukturen. In seinem Vortrag spannte er den Bogen von der betrieblichen IT-Sicherheit zu gesamtgesellschaftlichen Abhängigkeiten. Unsere Welt sei geprägt von hochgradig verflochtenen Systemen, Prozessen und Lieferketten – im privaten Alltag ebenso wie im Berufsleben. Unternehmen seien Knotenpunkte in diesen Netzwerken. Falle ein solcher Knoten aus oder werde gezielt angegriffen, könne dies weitreichende Konsequenzen nach sich ziehen. Elsberg mahnte, sich der Komplexität dieser Systeme bewusst zu sein und sie bei unternehmerischen Entscheidungen mitzudenken: Nur wer die Abhängigkeiten verstehe, könne verantwortungsvoll handeln und Vorsorge treffen.

Networking und Austausch in entspannter Atmosphäre

Neben den Vorträgen bot die begleitende Ausstellung der Fördermitglieder im Foyer einen praxisnahen Einblick in aktuelle Entwicklungen der Branche. Die Teilnehmenden nutzten die Gelegenheit, sich zu vernetzen und konkrete Umsetzungsmöglichkeiten der vorgestellten Konzepte zu diskutieren.

Text: VGL NRW

Bilder: ©Jacqueline Wardeski