Mitgliederversammlung des VGL NRW

Wahlen, Verbandsthemen und Zukunftsfragen der Branche im Fokus

Am 25. März 2026 kamen die Mitgliedsbetriebe des Verbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Nordrhein-Westfalen e. V. (VGL NRW) zur diesjährigen Mitgliederversammlung in der Geschäftsstelle im Haus der Grünen Verbände in Oberhausen zusammen. Wie bereits im Vorjahr bot der Veranstaltungsort einen persönlichen Rahmen für Austausch, Begegnung und verbandspolitische Diskussionen.

Gemeinschaft, Branchenlage und klare Zukunftsthemen

VGL NRW-Präsident Josef Mennigmann eröffnete die Versammlung mit einem Blick auf die aktuellen politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sowie auf die zentralen Herausforderungen der Branche. Dabei wurde deutlich, dass die weltpolitische Lage mit anhaltenden Krisen und kriegerischen Konflikten, steigenden Energie- und Treibstoffkosten sowie einer insgesamt angespannten wirtschaftlichen Situation auch für die Mitgliedsbetriebe mit erheblichen Unsicherheiten verbunden ist. Viele Entwicklungen seien in ihrer Dynamik kaum vorhersehbar und erschwerten langfristige Planungen und belastbare Kalkulationen. Entsprechend geprägt sei der Blick auf die kommenden Monate von einem eher verhaltenen Optimismus.

Im Fokus standen Themen wie Klimafolgenanpassung, mittelstandsorientierte Wirtschaftspolitik, Bürokratieabbau, Fachkräfteeinwanderung und Planungssicherheit. Zugleich verwies Mennigmann auf die Entwicklung des Garten- und Landschaftsbaus: Der bundesweite Umsatz stieg 2025 auf 11,11 Milliarden Euro, in Nordrhein-Westfalen auf rund 2,9 Milliarden Euro. Auch die Beschäftigtenzahlen sowie die Zahl der Auszubildenden entwickelten sich positiv.

Besonders hob Mennigmann die Gemeinschaft der Mitgliedsbetriebe hervor. Er machte deutlich, dass ein Verband von der aktiven Beteiligung seiner Mitglieder lebt und durch ihr Engagement als starke Gemeinschaft getragen wird. Diese Verbindung aus fachlichem Austausch, ehrenamtlichem Einsatz und gemeinsamer Interessenvertretung prägte auch die diesjährige Mitgliederversammlung.

Einstimmige Beschlüsse und personelle Weichenstellungen

Die Jahresrechnung 2025 wurde von Frank Benning vorgestellt und von der Mitgliederversammlung einstimmig beschlossen. Ebenso einstimmig erfolgte die Entlastung des Präsidiums sowie der Geschäftsführung. Auch der Haushaltsplan 2026 wurde nach Erläuterung durch Frank Benning verabschiedet.
Im Rahmen der Wahlen wurde Markus Theß einstimmig als Mitglied des Präsidiums wiedergewählt. Neu in das Präsidium gewählt wurden Friedrich Klute und Thorsten Schulze Tertilt. Carsten Hohlt wurde zudem einstimmig zum neuen Ersatzrechnungsprüfer gewählt. Im Vorfeld der Wahlen betonte Josef Mennigmann, dass es nicht nur um formale Besetzungen gehe, sondern auch darum, den Nachfolgeprozess im Präsidium aktiv zu gestalten und jüngere Persönlichkeiten einzubinden.

Das neu strukturierte Präsidium des VGL NRW (v.l.n.r.): Markus Theß, Thorsten Schulze, Friedrich Klute, Nadja Kreuz, Martin Losem, Thorsten Siller, VGL NRW-Geschäftsführer Christoph Lau, Josef Mennigmann, Hans-Christian Eckhardt, Frank Benning, Michael Reiffenschneider, Frank Linneweber sowie Leif Harzer./VGL NRW

Gartenschauen, Teilqualifizierung und Ausbildung als Schwerpunkte

Ein weiterer wichtiger Themenblock war das sogenannte „Jahrzehnt der Gartenschauen“. Hans-Christian Eckhardt gab Einblicke in die anstehenden Entwicklungen rund um die Landesgartenschau Neuss 2026, die Internationale Gartenausstellung 2027 sowie weitere Perspektiven für künftige Gartenschauen. Deutlich wurde dabei die große Bedeutung dieser Formate für Stadtentwicklung, Klimaanpassung und die Sichtbarkeit des Garten- und Landschaftsbaus in Nordrhein-Westfalen.

Ein weiterer Schwerpunkt der Mitgliederversammlung war die neue Teilqualifizierung (TQ) im Garten- und Landschaftsbau, die von Leif Harzer als Vorsitzendem des Bildungsausschusses vorgestellt wurde. Mit dem modularen Qualifizierungsangebot reagiert der VGL NRW auf den steigenden Fachkräftebedarf und schafft zugleich neue Zugänge in die Branche - insbesondere für Erwachsene ab 25 Jahren ohne Berufsabschluss, für Quer- und Wiedereinsteiger*innen sowie für an- und ungelernte Mitarbeitende. Die TQ ist in sechs praxisnahe Module gegliedert und verbindet überbetriebliche Lernphasen mit betrieblicher Praxis. TQ 1 „Vegetationspflege“ startet Ende August 2026 mit 12 Teilnehmenden. Das Angebot soll Menschen schrittweise an berufliche Kompetenzen im GaLaBau heranführen und kann perspektivisch auch auf die Externenprüfung vorbereiten.

Im Anschluss wurde auch der aktuelle Stand der Novellierung der Ausbildungsverordnung vorgestellt. Im Mittelpunkt stand die Weiterentwicklung einer modernen, praxisorientierten und zukunftsfähigen beruflichen Qualifizierung im Garten- und Landschaftsbau.


Ehrung für 25- und 50-jährige Verbandsmitgliedschaft./VGL NRW

Ehrungen und Bericht aus Bad Honnef

Auch Ehrungen für langjährige Verbandstreue waren Teil des Programms. Insgesamt wurden 18 Mitgliedsbetriebe für ihre 25- bzw. 50-jährige Mitgliedschaft geehrt. Die Auszeichnungen machten deutlich, wie eng viele Unternehmen dem Verband und der Branche seit Jahrzehnten verbunden sind.
Der traditionelle „Bericht aus Bad Honnef“ kam in diesem Jahr in einem neuen Format daher: Statt eines klassischen Vortrags wurde bewusst ein Interviewmodell gewählt. Im moderierten Gespräch mit Thomas Banzhaf, Präsident des Bundesverbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e. V. (BGL), wurden aktuelle bundespolitische und verbandliche Themen lebendig, kompakt und dialogorientiert vermittelt. Im Fokus standen dabei unter anderem die Bedeutung von Stadtgrün als klimaresiliente Infrastruktur, die politische Interessenvertretung des BGL, die Fachkräftegewinnung sowie die Weiterentwicklung der Image- und PR-Arbeit des Bundesverbandes.

Wirtschaftspolitischer Ausblick zum Abschluss

Den Abschluss der Veranstaltung bildete ein Vortrag von Prof. Dr. Justus Haucap unter dem Titel „Wirtschaftsstandort Deutschland 2026 - Reformen für den Aufschwung“. Darin zeichnete der renommierte Ökonom ein differenziertes Bild der aktuellen wirtschaftlichen Lage: Einerseits verwies er auf positive Signale und verhalten optimistische Wachstumsprognosen für 2026, andererseits machte er deutlich, dass Deutschland weiterhin vor erheblichen strukturellen Herausforderungen steht. Dazu zählte er insbesondere die nachlassende Wettbewerbsfähigkeit des Standorts, eine schwache Investitionsdynamik, hohe Energiekosten, überbordende Bürokratie sowie Defizite in den Bereichen Digitalisierung, Infrastruktur und Innovationskraft.

Aus seiner Sicht braucht es eine klare Reformagenda, um den Wirtschaftsstandort nachhaltig zu stärken. Haucap forderte bessere Rahmenbedingungen für Investitionen und Innovationen, weniger Bürokratie, mehr Digitalisierung sowie eine verlässliche Energiepolitik. Sein Fazit: Wirtschaftlicher Aufschwung gelingt nur mit mehr Wettbewerbsfähigkeit, Innovationskraft und unternehmerischem Spielraum.

VGL NRW-Präsident Josef Mennigmann dankt dem Referenten, Prof. Dr. Justus Haucap, für seinen Vortrag auf der Mitgliederversammlung./VGL NRW