Ein Garten wie ein Park –
und voller Geheimnisse

Ein Garten wie ein Park – und voller Geheimnisse

Ein Villengarten im Kölner Süden macht neugierig – weil er seine Geheimnisse erst nach und nach preisgibt. Zwar ist er mit seinem beeindruckenden Altbaumbestand und einer Fläche von über 4.000 Quadratmetern eine Ausnahmeanlage. Doch, so betont der Kölner Landschaftsgärtner Hermann J. Jansen, lassen sich viele gestalterische Prinzipien auch auf kleinere Gärten übertragen: „Entscheidend ist, dass ein Garten nicht auf den ersten Blick erfassbar ist, sondern Überraschungsmomente bereithält.“ Realisiert wurde das exklusive Projekt vom Fachbetrieb Garten- und Landschaftsbau Jansen und Arens auf Basis einer Konzeption der renommierten Landschaftsarchitektin Brigitte Röde. Der Garten zählt zu den 50 „Gärten des Jahres 2026“.

Aus fachlicher Sicht stand bei der Neugestaltung des parkähnlichen Gartens der respektvolle Umgang mit dem gewachsenen Bestand im Mittelpunkt. Auf dem Grundstück prägen bis zu 150 Jahre alte Großbäume das Bild – darunter ein Zuckerahorn, eine mächtige Blutbuche sowie verschiedene Berg- und Spitzahorne mit Höhen von teilweise über 30 Metern. „Ein solcher Baumbestand ist ein unschätzbares Kapital“, so Hermann J. Jansen, Gründer und Geschäftsführer des GaLaBau-Betriebs. „Ihn zu erhalten, ist eine Verpflichtung – und gleichzeitig gibt er die Struktur für eine Neugestaltung vor.“ Vor Beginn der Arbeiten hatten seine Mitarbeitenden sämtliche Bäume und Gehölze fachgerecht gesichert, gepflegt und von Totholz befreit.

Neben den Großbäumen prägt auch eine Buchenhecke den Charakter des Gartens: Sie umfasst ihn komplett. Zur Straßenseite haben die Buchen einen eindrucksvollen, sechs bis sieben Meter hohen Torbogen ausgebildet. Die Hecke wurde durch gezielte Nachpflanzungen ergänzt, sodass sich ein homogenes Gesamtbild ergibt – ein Beispiel für nachhaltige Bestandsergänzung.

Natürlicher Luxus

Ein zentrales Element des neuen Gartenkonzepts von Brigitte Röde lag in der behutsamen Ergänzung des wertvollen Altbestands durch ausgewählte Großbäume und Solitärgehölze. Diese wurden gemeinsam mit den Gartenbesitzern vor Ort in der Baumschule ausgesucht – ein Vorgehen, das Hermann J. Jansen ausdrücklich empfiehlt: „Der Kauf eines Baums, insbesondere eines Solitärs oder Formgehölzes, ist immer auch eine Investition in Zeit und Atmosphäre. Man holt sich gewachsene Geschichte in den Garten – ein Stück natürlichen Luxus.“

In Form gebracht

Ob in Einzelstellung oder als Hecke: Bäume und Sträucher, die durch Formschnitt in geometrische, organische oder kreative Formen gebracht werden, sind ein Blickfang in jedem Garten – hier Beispiele aus von Jansen und Arens realisierten Gärten.

Fotos: Jansen und Arens

In Köln fiel die Wahl unter anderem auf bereits stattliche Gehölzraritäten wie den Surenbaum ‘Flamingo’ oder eine Schirm-Magnolie. In der Gartenmitte setzen die Landschaftsgärtner zudem eine bereits vorhandene, mächtige Eibengruppe durch einen wolkigen Formschnitt eindrucksvoll in Szene. 
Durch blütenreiche Sträucher und Stauden wurde das bislang eher ruhige Erscheinungsbild um differenzierte Farb- und Blühaspekte ergänzt. Sie sorgen für eine lebendige Dynamik im Jahresverlauf. So entstand ein Gesamtbild, das in sich stimmig wirkt – selbstverständlich, gewachsen und von zeitloser Eleganz.

Neue Ruhepole

Zwei neue, zentrale Gestaltungselemente strukturieren den Garten: ein kreisrundes Wasserbecken sowie ein Pavillon. Der sogenannte Reflecting Pool mit einer Tiefe von nur etwa einem Meter fungiert als ruhiger Spiegel für Himmel und Licht. Drei mehrstämmige Blütenkirschen rahmen das Becken und setzen zur Blütezeit eindrucksvolle Akzente. Der Pavillon mit vorliegender Natursteinterrasse greift Materialien aus dem Bestand auf: im Garten vorhandene Natursteinplatten wurden hier wiederverwendet und durch passende Einfassungen ergänzt – ein Beispiel für ressourcenschonendes und gestalterisch stimmiges Arbeiten. Umrahmt wird der Sitzplatz von rot blühenden Rhododendren, die dem Raum eine wohnliche Atmosphäre verleihen.

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Durch seine Größe und seine Gestaltung wirkt der parkähnliche Garten ohne Zweifel repräsentativ, dennoch entfaltet er eine einladende, beinahe poetische Wirkung. „Das liegt daran, dass er seine Qualitäten nicht gleich auf den ersten Blick preisgibt“, erklärt der Landschaftsgärtner. „Er fordert dazu auf, entdeckt zu werden.“

Neugier wecken

Ein wesentliches gestalterisches Prinzip – die gezielte Raumbildung durch Pflanzungen – ist dabei auch übertragbar auf Gärten in kleinerem Maßstab: Gehölzgruppen können auch dort Sichtachsen schaffen, den Blick lenken und den Garten in unterschiedliche Erlebnisräume gliedern. Spannende Wegeführungen unterstützen eine solche Dramaturgie und laden dazu ein, den Garten Schritt für Schritt zu erkunden. „Auch im Reihengarten empfiehlt es sich, einen locker aufgebauten, mehrstämmigen Baum nahe der Terrasse zu platzieren, der als visueller Filter Neugier weckt, ohne den Raum zu verschließen“, so Hermann J. Jansen. Auch Wasserflächen lassen sich heute problemlos in kleinere Gärten integrieren – etwa als kompaktes Becken in Kombination mit einem Solitärgehölz, dessen Spiegelbild zusätzliche Tiefe erzeugt.

Für den Landschaftsgärtner steht dabei fest, dass Ästhetik und ökologische Verantwortung im Garten untrennbar miteinander verbunden sind: „Ökologische Aspekte bilden die unverzichtbare, selbstverständliche Grundlage jeder Planung. Dennoch wird ein Garten in erster Linie über seine ästhetische Wirkung wahrgenommen.“ Auf Basis einer standortgerechten Pflanzenauswahl, sorgfältigem Bodenaufbau und nachhaltiger Pflege können sich danach die unterschiedlichsten Gartenstile entfalten – vom naturnahen bis zum formal gestalteten Garten.

Fotos: © Ferdinand Graf Luckner / Callwey Verlag

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